Nabelschnurblut einlagern und auspulsieren – geht beides?

Verzögertes Abnabeln und die Einlagerung von Nabelschnurblut können grundsätzlich miteinander vereinbar sein. Wird mit dem Abnabeln für eine begrenzte Zeit gewartet, kann das Neugeborene zunächst zusätzliches Blut aus der Plazenta erhalten und anschließend häufig noch Nabelschnurblut für eine Einlagerung gewonnen werden.  

Entscheidend ist jedoch, wie lange mit dem Abnabeln gewartet wird. Je länger die Nabelschnur pulsiert, desto mehr Blut gelangt aus der Plazenta zum Kind und desto weniger Blut verbleibt für eine spätere Entnahme. Wird die Nabelschnur vollständig ausgepulst, steht in der Regel nicht mehr ausreichend Nabelschnurblut für eine Einlagerung zur Verfügung.  

Deshalb sollte zwischen verzögertem Abnabeln und vollständigem Auspulsieren unterschieden werden.

Auspulsieren und Nabelschnurblut einlagern – auf einen Blick 

Frage 

Kurzantwort 

Kann man verzögert abnabeln und Nabelschnurblut einlagern? 

Ja, beides kann grundsätzlich miteinander vereinbar sein. 

Muss dafür sofort abgenabelt werden? 

Nein. Auch nach verzögertem Abnabeln kann häufig noch Nabelschnurblut gewonnen werden. 

Was passiert mit zunehmender Wartezeit? 

Je länger die Nabelschnur pulsiert, desto weniger Blut steht anschließend für die Entnahme zur Verfügung. 

Ist eine Entnahme nach vollständigem Auspulsieren möglich? 

In der Regel steht dann nicht mehr ausreichend Nabelschnurblut für eine Einlagerung zur Verfügung. 

Kann Nabelschnurgewebe trotzdem gewonnen werden? 

Ja. Die Gewinnung von Nabelschnurgewebe ist auch nach vollständigem Auspulsieren möglich. 

Sollte das vorher mit der Klinik besprochen werden? 

Ja. Beide Wünsche sollten bereits vor der Geburt kommuniziert werden. 

Was bedeutet Auspulsieren der Nabelschnur? 

Nach der Geburt befindet sich weiterhin Blut in Plazenta und Nabelschnur. Solange die Nabelschnur pulsiert, findet ein Bluttransfer von der Plazenta zum Neugeborenen statt. 

Beim verzögerten Abnabeln wird die Nabelschnur nicht unmittelbar nach der Geburt durchtrennt, sondern zunächst für einen bestimmten Zeitraum belassen. 

Beim vollständigen Auspulsieren wird dagegen gewartet, bis die Nabelschnur nicht mehr pulsiert. Dieser Prozess kann deutlich länger dauern.  

Diese Unterscheidung ist für eine geplante Nabelschnurblutentnahme wichtig, weil für die Einlagerung eine ausreichende Menge Blut in Nabelschnur und Plazenta verbleiben muss. 

Kann man verzögert abnabeln und trotzdem Nabelschnurblut einlagern? 

Ja. Verzögertes Abnabeln schließt eine Nabelschnurblutentnahme nicht grundsätzlich aus. 

Bei einer Abnabelung nach etwa 60 bis 90 Sekunden kann häufig noch eine ausreichende Menge Nabelschnurblut gewonnen werden. Gleichzeitig hat in dieser Zeit bereits ein wesentlicher Teil des Bluttransfers von der Plazenta zum Neugeborenen stattgefunden.  

Ob im individuellen Fall tatsächlich genügend Nabelschnurblut für eine Einlagerung gewonnen werden kann, lässt sich jedoch nicht garantieren. Die verfügbare Menge hängt unter anderem vom Zeitpunkt des Abnabelns und von der jeweiligen Geburtssituation ab. 

Kurz gesagt: 

Verzögertes Abnabeln und Nabelschnurblut-Einlagerung können miteinander vereinbar sein. Je länger mit dem Abnabeln gewartet wird, desto geringer wird jedoch die für die Entnahme verfügbare Blutmenge. 

Was ist der Unterschied zwischen verzögertem Abnabeln und vollständigem Auspulsieren? 

Die Begriffe werden häufig gleichgesetzt, beschreiben aber nicht dasselbe. 

 

Verzögertes Abnabeln 

Vollständiges Auspulsieren 

Was bedeutet es? 

Die Nabelschnur wird erst nach einer gewissen Wartezeit abgeklemmt 

Es wird gewartet, bis die Nabelschnur nicht mehr pulsiert 

Wie lange dauert es? 

Häufig etwa 60–90 Sekunden 

Kann deutlich länger dauern 

Findet ein Bluttransfer zum Kind statt? 

Ja 

Ja, bis zum weitgehenden Abschluss 

Kann anschließend Nabelschnurblut entnommen werden? 

Häufig ja 

Nach vollständigem Auspulsieren in der Regel nicht mehr ausreichend 

Kann Nabelschnurgewebe gewonnen werden? 

Ja 

Ja 

 

Gerade für Eltern, die sowohl verzögertes Abnabeln als auch eine Nabelschnurblut-Einlagerung erwägen, ist diese Unterscheidung entscheidend.  

Warum beeinflusst das Auspulsieren die Menge des Nabelschnurblutes? 

Das für eine Einlagerung gewonnene Nabelschnurblut stammt aus dem Blut, das nach der Geburt in Nabelschnur und Plazenta verbleibt. 

Während die Nabelschnur noch pulsiert, wird ein Teil dieses Blutes zum Neugeborenen übertragen. Je länger dieser Vorgang andauert, desto weniger Blut verbleibt anschließend für die Entnahme. 

Deshalb besteht ein unmittelbarer Zusammenhang: 

Je länger bis zum Abnabeln gewartet wird, desto geringer ist tendenziell die Menge an Nabelschnurblut, die anschließend entnommen werden kann.  

Eine ausreichende Entnahmemenge kann deshalb bei verzögertem Abnabeln häufig noch erreicht werden, lässt sich aber im Einzelfall nicht vorhersagen oder garantieren. 

Ist nach vollständigem Auspulsieren noch eine Nabelschnurblut-Einlagerung möglich? 

Nach vollständigem Auspulsieren ist eine ausreichende Gewinnung von Nabelschnurblut in der Regel nicht mehr möglich. 

Der Grund liegt nicht darin, dass das Blut nach einer bestimmten Zeit grundsätzlich ungeeignet wäre. Vielmehr befindet sich nach dem vollständigen Auspulsieren nicht mehr genügend Blut in Nabelschnur und Plazenta, um daraus ein entsprechendes Nabelschnurblutpräparat zu gewinnen.  

Wer sowohl eine Einlagerung als auch ein späteres Abnabeln erwägt, sollte deshalb bereits vor der Geburt besprechen, wie mit diesen beiden Wünschen umgegangen werden soll. 

Kann Nabelschnurgewebe auch nach dem Auspulsieren eingelagert werden? 

Ja. Die Gewinnung von Nabelschnurgewebe ist grundsätzlich unabhängig davon möglich, wie viel Blut nach dem Auspulsieren noch in der Nabelschnur vorhanden ist. 

Für die Gewebeentnahme wird nach der Geburt ein Abschnitt der Nabelschnur gesichert. Deshalb kann Nabelschnurgewebe auch dann noch gewonnen werden, wenn die Nabelschnur vollständig ausgepulst ist und eine Nabelschnurblutentnahme nicht mehr möglich ist.  

Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe sind allerdings unterschiedliche Stammzellquellen und enthalten unterschiedliche Zellpopulationen. Nabelschnurgewebe ist deshalb nicht einfach als Ersatz für Nabelschnurblut zu verstehen. 

→ Mehr erfahren: Nabelschnurblut oder Nabelschnurgewebe – was ist der Unterschied? 

Was sollten Eltern vor der Geburt beachten? 

Wer verzögertes Abnabeln mit einer Nabelschnurblut-Einlagerung verbinden möchte, sollte das Thema bereits vor der Geburt mit der betreuenden Hebamme beziehungsweise der Geburtsklinik besprechen. 

Dabei sollte insbesondere geklärt werden: 

  • dass eine Nabelschnurblutentnahme geplant ist,  
  • dass gleichzeitig verzögertes Abnabeln gewünscht wird,  
  • wie die Klinik mit beiden Wünschen umgeht,  
  • wer die Nabelschnurblutentnahme durchführt.  

Der konkrete Zeitpunkt des Abnabelns kann zudem von der Geburtssituation und der Anpassung des Neugeborenen nach der Geburt beeinflusst werden. Die medizinische Versorgung von Mutter und Kind hat dabei Vorrang.  

Eine bestimmte Entnahmemenge kann daher auch bei vorheriger Planung nicht garantiert werden. 

 

Häufige Fragen zu Auspulsieren und Nabelschnurblut-Einlagerung 

Muss die Nabelschnur sofort durchtrennt werden, wenn Nabelschnurblut eingelagert werden soll? 

Nein. Eine Nabelschnurblutentnahme kann grundsätzlich auch mit verzögertem Abnabeln vereinbar sein. Mit zunehmender Zeit bis zum Abnabeln nimmt jedoch die für die Entnahme verfügbare Blutmenge ab.  

Wie lange kann man mit dem Abnabeln warten? 

Die zugrunde liegenden Informationen beschreiben eine Abnabelung nach etwa 60 bis 90 Sekunden als Zeitraum, nach dem häufig noch ausreichend Nabelschnurblut gewonnen werden kann. Ob das im individuellen Fall gelingt, hängt jedoch von der konkreten Geburtssituation ab.  

Warum bleibt nach dem Auspulsieren weniger Nabelschnurblut übrig? 

Während die Nabelschnur pulsiert, gelangt Blut aus der Plazenta zum Neugeborenen. Dadurch nimmt die Blutmenge ab, die anschließend noch aus Nabelschnur und Plazenta gewonnen werden kann. 

Kann nach vollständigem Auspulsieren noch Nabelschnurblut eingelagert werden? 

Nach vollständigem Auspulsieren steht in der Regel nicht mehr ausreichend Nabelschnurblut für eine Einlagerung zur Verfügung.  

Kann nach vollständigem Auspulsieren Nabelschnurgewebe eingelagert werden? 

Ja. Nabelschnurgewebe kann auch nach vollständigem Auspulsieren gewonnen werden, da dafür ein Abschnitt der Nabelschnur entnommen wird und keine bestimmte verbleibende Blutmenge erforderlich ist.  

Wer entscheidet, wann die Nabelschnur abgeklemmt wird? 

Der gewünschte Umgang mit der Nabelschnur kann vor der Geburt mit dem geburtshilflichen Team besprochen werden. Der tatsächliche Zeitpunkt kann jedoch von der konkreten Geburtssituation sowie dem Zustand von Mutter und Kind abhängen.