Nabelschnurgewebe einlagern – welche Möglichkeiten bietet es?

Nabelschnurgewebe kann nach der Geburt gewonnen und durch Kryokonservierung langfristig aufbewahrt werden. Im Gewebe der Nabelschnur befinden sich insbesondere mesenchymale Stammzellen (MSC). Diese unterscheiden sich von den blutbildenden Stammzellen des Nabelschnurblutes und werden aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften vor allem für Anwendungen der regenerativen Medizin erforscht. 

Für die Einlagerung wird nach der Geburt ein Abschnitt der Nabelschnur entnommen, aufbereitet und bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert. Ziel ist es, das Gewebe und die darin enthaltenen Zellen für eine mögliche zukünftige Verwendung zu erhalten. 

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Das wissenschaftlich und medizinisch untersuchte Potenzial mesenchymaler Stammzellen bedeutet nicht, dass für privat eingelagertes Nabelschnurgewebe bereits entsprechende etablierte Therapien zur Verfügung stehen. Viele mögliche Anwendungen befinden sich weiterhin in der Forschung. 

Nabelschnurgewebe einlagern – auf einen Blick 

Frage 

Kurzantwort 

Kann Nabelschnurgewebe eingelagert werden? 

Ja. Ein Abschnitt der Nabelschnur kann nach der Geburt gewonnen und kryokonserviert werden. 

Welche Stammzellen enthält Nabelschnurgewebe? 

Insbesondere mesenchymale Stammzellen (MSC). 

Wie wird das Gewebe gewonnen? 

Nach der Geburt wird ein Abschnitt der abgetrennten Nabelschnur gesichert. 

Ist die Entnahme schmerzhaft? 

Nein. Sie erfolgt an der bereits vom Kind getrennten Nabelschnur. 

Ist Nabelschnurgewebe dasselbe wie Nabelschnurblut? 

Nein. Beide enthalten unterschiedliche Zellpopulationen. 

Werden MSC bereits medizinisch eingesetzt? 

Verschiedene mögliche Anwendungen werden erforscht; Forschungsansätze sind nicht mit etablierten Therapien mit privat eingelagertem Gewebe gleichzusetzen. 

Kann Blut und Gewebe gemeinsam eingelagert werden? 

Ja. Dadurch werden unterschiedliche Stammzellquellen erhalten. 

Ist die Gewinnung nach dem Auspulsieren möglich? 

Ja. Die Gewebegewinnung ist nicht von einer verbleibenden Blutmenge abhängig. 

Kann Nabelschnurgewebe gespendet werden? 

Eine öffentliche Spende wie bei Nabelschnurblut steht derzeit nicht in vergleichbarer Form zur Verfügung. 

 

Was ist Nabelschnurgewebe? 

Die Nabelschnur verbindet das ungeborene Kind während der Schwangerschaft mit der Plazenta. Neben den Blutgefäßen besteht sie aus einem gallertartigen Bindegewebe, der sogenannten Wharton-Sulze. 

Dieses Nabelschnurgewebe enthält insbesondere mesenchymale Stammzellen (MSC). Sie besitzen andere biologische Eigenschaften als die hämatopoetischen Stammzellen, die vor allem im Nabelschnurblut vorkommen. 

Mesenchymale Stammzellen können sich unter geeigneten Bedingungen in verschiedene Zelltypen entwickeln. Dazu gehören unter anderem Zellen von Knochen, Knorpel und Fettgewebe. Zudem werden ihre immunmodulierenden Eigenschaften wissenschaftlich untersucht. 

Mehr erfahren: Was ist Nabelschnurgewebe? 

Warum wird Nabelschnurgewebe eingelagert? 

Das Ziel der Einlagerung besteht darin, Nabelschnurgewebe als mögliche zukünftige Zellquelle zu erhalten. 

Die Geburt bietet einen einmaligen Zeitpunkt, zu dem das Gewebe der Nabelschnur gewonnen werden kann. Wird es anschließend fachgerecht verarbeitet und kryokonserviert, kann es langfristig aufbewahrt werden. 

Das Interesse richtet sich insbesondere auf die darin enthaltenen mesenchymalen Stammzellen. Diese werden aufgrund ihrer Eigenschaften in unterschiedlichen Bereichen der regenerativen Medizin erforscht. 

Eine Einlagerung ist jedoch nicht mit der Zusicherung einer späteren medizinischen Anwendung gleichzusetzen. Ob und für welche Behandlung das eingelagerte Material zukünftig genutzt werden könnte, hängt vom jeweiligen Stand der medizinischen Forschung und den Voraussetzungen einer konkreten Therapie ab. 

Welche Stammzellen enthält Nabelschnurgewebe? 

Nabelschnurgewebe enthält insbesondere mesenchymale Stammzellen, kurz MSC. 

Diese Stammzellen können sich selbst erneuern und unter bestimmten Bedingungen in unterschiedliche Zelltypen weiterentwickeln. Dazu zählen beispielsweise: 

• Knochenzellen,  

• Knorpelzellen,  

• Fettzellen.  

Darüber hinaus werden MSC aufgrund ihrer Fähigkeit untersucht, über verschiedene Botenstoffe auf ihre Umgebung und immunologische Prozesse einzuwirken. Diese Eigenschaften machen sie für Forschungsansätze im Bereich der regenerativen Medizin interessant. 

Mesenchymale Stammzellen sollten dabei nicht mit den hämatopoetischen Stammzellen (HSC) des Nabelschnurblutes gleichgesetzt werden. Beide Zelltypen besitzen unterschiedliche Eigenschaften und entsprechend unterschiedliche medizinische Einsatz- beziehungsweise Forschungsfelder. 

Wie wird Nabelschnurgewebe gewonnen? 

Die Gewinnung erfolgt nach der Geburt. Nachdem das Kind abgenabelt wurde, wird ein Abschnitt der Nabelschnur entnommen und in einem dafür vorgesehenen sterilen Transportbehältnis aufbewahrt. 

Die Entnahme findet damit an der bereits vom Kind getrennten Nabelschnur statt und ist für Mutter und Kind schmerzfrei. 

Anschließend wird das Nabelschnurgewebe in ein spezialisiertes Labor transportiert. Dort wird es geprüft und für die Kryokonservierung vorbereitet. 

Die Gewinnung von Nabelschnurgewebe unterscheidet sich damit von der Gewinnung von Nabelschnurblut: Bei Nabelschnurblut wird das nach der Geburt verbliebene Blut gesammelt, bei Nabelschnurgewebe dagegen ein Gewebeabschnitt der Nabelschnur. 

Wie wird Nabelschnurgewebe eingelagert? 

Nach der Entnahme wird das Nabelschnurgewebe unter kontrollierten Bedingungen zum Labor transportiert. Dort erfolgen die weitere Verarbeitung, Qualitätskontrolle und Vorbereitung auf die Kryokonservierung. 

Das Gewebe wird anschließend kontrolliert eingefroren und bei sehr niedrigen Temperaturen langfristig aufbewahrt. 

Das Ziel der Kryokonservierung besteht darin, das biologische Material über einen langen Zeitraum in einem konservierten Zustand zu erhalten. 

Eine spätere Verwendung setzt jedoch voraus, dass das Material für die jeweilige Anwendung geeignet ist und eine entsprechende medizinische Anwendung zur Verfügung steht. 

Was ist der Unterschied zur Einlagerung von Nabelschnurblut? 

Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe sind zwei unterschiedliche Stammzellquellen. Deshalb ist die Einlagerung des Gewebes nicht einfach eine zweite Form derselben Nabelschnurblut-Einlagerung. 

 

 

Nabelschnurblut 

Nabelschnurgewebe 

Was wird eingelagert? 

Blut aus Nabelschnur und Plazenta 

Ein Abschnitt des Nabelschnurgewebes 

Welche Stammzellen stehen im Mittelpunkt? 

Hämatopoetische Stammzellen (HSC) 

Mesenchymale Stammzellen (MSC) 

Biologische Bedeutung 

Ausgangszellen des blutbildenden Systems 

Können sich unter bestimmten Bedingungen in verschiedene Zelltypen des Binde- und Stützgewebes entwickeln 

Medizinischer Status 

HSC werden bereits in der Medizin eingesetzt 

Potenzielle Anwendungen von MSC werden insbesondere in der regenerativen Medizin erforscht 

Gewinnung 

Blut wird nach der Geburt aus der Nabelschnur gewonnen 

Ein Abschnitt der Nabelschnur wird nach der Geburt gesichert 

Langfristige Aufbewahrung 

Kryokonservierung 

Kryokonservierung 

 

 

Kurz gesagt: 

Bei der Nabelschnurblut-Einlagerung werden vor allem blutbildende Stammzellen erhalten. Mit Nabelschnurgewebe wird eine zusätzliche Stammzellquelle mit insbesondere mesenchymalen Stammzellen aufbewahrt. 

Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe können daher auch ergänzend eingelagert werden. 

Welche medizinischen Möglichkeiten werden für Nabelschnurgewebe erforscht? 

Mesenchymale Stammzellen sind insbesondere für die regenerative Medizin von Interesse. Untersucht wird, wie ihre biologischen Eigenschaften für die Regeneration beziehungsweise Reparatur geschädigter Gewebe genutzt werden könnten. 

Zu den Forschungsfeldern, die in den zugrunde liegenden Informationen genannt werden, gehören unter anderem Ansätze im Zusammenhang mit Knorpel- und Knochengewebe, Hautwunden sowie Rückenmarksverletzungen. 

Hinzu kommt die Erforschung der immunmodulierenden Eigenschaften mesenchymaler Stammzellen. 

Für die Einordnung ist jedoch entscheidend: 

Forschungsansätze und klinische Studien sind nicht mit etablierten oder zugelassenen Therapien mit privat eingelagertem Nabelschnurgewebe gleichzusetzen. 

Ob sich aus den heute untersuchten Ansätzen zukünftig konkrete medizinische Verwendungsmöglichkeiten für eingelagertes Nabelschnurgewebe ergeben, kann nicht vorhergesagt werden. 

Ist Nabelschnurgewebe eine Alternative zu Nabelschnurblut? 

Nicht im Sinne eines direkten Ersatzes. Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe enthalten unterschiedliche Zellpopulationen und haben deshalb unterschiedliche medizinische Bedeutungen. 

Hämatopoetische Stammzellen aus Nabelschnurblut werden bereits bei bestimmten Erkrankungen im Rahmen von Stammzelltransplantationen eingesetzt. Die mesenchymalen Stammzellen des Nabelschnurgewebes stehen dagegen insbesondere aufgrund ihrer potenziellen regenerativen und immunmodulierenden Eigenschaften im Fokus der Forschung. 

Wer beide Materialien einlagert, bewahrt deshalb nicht lediglich „mehr Stammzellen“ auf, sondern unterschiedliche Stammzellquellen mit unterschiedlichen biologischen Eigenschaften. 

Kann Nabelschnurgewebe auch nach dem Auspulsieren gewonnen werden? 

Ja. Die Gewinnung von Nabelschnurgewebe ist grundsätzlich auch nach dem Auspulsieren der Nabelschnur möglich. 

Für die Einlagerung des Gewebes wird ein Abschnitt der Nabelschnur entnommen. Anders als bei der Nabelschnurblutentnahme ist dafür keine bestimmte Menge an verbliebenem Blut erforderlich. 

Das ist ein wichtiger Unterschied: Je länger die Nabelschnur nach der Geburt pulsiert, desto weniger Blut verbleibt für eine Nabelschnurblutentnahme. Die Nabelschnur selbst steht als Gewebe dagegen weiterhin zur Verfügung. 

Mehr erfahren: Nabelschnurblut einlagern und auspulsieren – geht beides? 

Kann Nabelschnurgewebe auch bei einem Kaiserschnitt eingelagert werden? 

Grundsätzlich ja. Auch bei einem Kaiserschnitt kann nach der Geburt ein Abschnitt der Nabelschnur für die Einlagerung gesichert werden. 

Wie bei jeder Entnahme rund um die Geburt gilt allerdings, dass die medizinische Versorgung von Mutter und Kind Vorrang hat. Die geplante Einlagerung sollte deshalb vor der Geburt organisatorisch vorbereitet und mit der Geburtsklinik abgestimmt werden. 

Mehr erfahren: Nabelschnurblut einlagern bei Kaiserschnitt 

Kann Nabelschnurgewebe öffentlich gespendet werden? 

Hier besteht ein wesentlicher Unterschied zum Nabelschnurblut. 

Nabelschnurblut kann unter entsprechenden Voraussetzungen an eine öffentliche Nabelschnurblutbank gespendet werden. Für Nabelschnurgewebe besteht diese Möglichkeit der öffentlichen Spende derzeit nicht in vergleichbarer Form. Die Einlagerung erfolgt daher im Rahmen der verfügbaren Angebote privat. 

Damit unterscheiden sich Blut und Gewebe nicht nur hinsichtlich der enthaltenen Stammzellen, sondern auch bei den Möglichkeiten der Vorsorge beziehungsweise Spende. 

 

Häufige Fragen zur Einlagerung von Nabelschnurgewebe 

Warum wird Nabelschnurgewebe eingelagert? 

Mit der Einlagerung wird das Nabelschnurgewebe als mögliche zukünftige Zellquelle erhalten. Von besonderem Interesse sind die darin enthaltenen mesenchymalen Stammzellen, deren regenerative und immunmodulierende Eigenschaften medizinisch erforscht werden. 

Welche Stammzellen sind im Nabelschnurgewebe enthalten? 

Nabelschnurgewebe enthält insbesondere mesenchymale Stammzellen (MSC). Sie unterscheiden sich von den hämatopoetischen beziehungsweise blutbildenden Stammzellen, die vor allem im Nabelschnurblut vorkommen. 

Ist die Einlagerung von Nabelschnurgewebe sinnvoll? 

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Durch die Einlagerung wird eine Stammzellquelle mit insbesondere mesenchymalen Stammzellen erhalten. Gleichzeitig befinden sich viele der diskutierten medizinischen Einsatzmöglichkeiten dieser Zellen noch in der Forschung. Eine Einlagerung garantiert daher keine spätere medizinische Verwendung. 

Werden Stammzellen aus Nabelschnurgewebe schon für Therapien eingesetzt? 

Mesenchymale Stammzellen werden in unterschiedlichen medizinischen Forschungsfeldern untersucht. Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, dass für privat eingelagertes Nabelschnurgewebe bereits entsprechende etablierte oder zugelassene Therapien zur Verfügung stehen. 

Kann man Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe gleichzeitig einlagern? 

Ja. Beide Materialien können nach der Geburt gewonnen und kryokonserviert werden. Dadurch werden unterschiedliche Stammzellpopulationen erhalten. 

Kann Nabelschnurgewebe nach vollständigem Auspulsieren eingelagert werden? 

Ja. Für die Gewebeeinlagerung wird ein Abschnitt der Nabelschnur benötigt. Die Gewinnung ist daher nicht davon abhängig, dass noch eine bestimmte Menge Blut in der Nabelschnur vorhanden ist. 

Ist Nabelschnurgewebe ein Ersatz für Nabelschnurblut? 

Nein. Die beiden Materialien enthalten unterschiedliche Stammzellpopulationen. Nabelschnurgewebe sollte daher nicht als Ersatz für Nabelschnurblut betrachtet werden, sondern als eine andere beziehungsweise ergänzende Stammzellquelle.